Riesenfächergarnele

Atya gabonensis
Die Riesenfächergarnele Atya gabonensis ist eine der erfolgreichsten Tierarten, die unser Planet hervorgebracht hat. Sie bevölkert seit mehr als 200 Mio. Jahren unverändert steinige Fließgewässer des tropischen Regenwaldes Afrikas und Amerikas stromaufwärts. Als der Urkontinent vor 200 Mio. Jahren auseinander zu driften begann war die Entwicklung der Art, wie sie heute noch unverändert auf beiden Kontinenten existiert, bereits abgeschlossen. Deshalb kann man die Riesenfächergarnele auch als eine Art lebendes Fossil und urzeitliches Juwel betrachten.
m Handel sind ausschließlich Wildfänge zu erwerben, weil eine Zucht noch nicht gelungen ist, da die Larven mehrere planktonische Stadien im Meer, bzw. Brackwasser durchlaufen, bevor sie als Winzlinge die Flüsse wieder hinauf wandern.
Auch diese Art ist durch die Verschmutzung der Flussmündungen; Mangroven-Wäldern mit Brackwasser, im Bestand gefährdet. Bestimmte bereiche dieses Lebensraums muss von den Tieren zweimal, einmal als Nauplie und einmal als Junggarnele, durchlebt werden. Wer solche Tiere im Schwarzwasser-Aquarium pflegen will sollte auch bereit sein mit Erkenntnissen über eine geglückte Zucht beizutragen. Einem Halter, dem das Glück zuteil wird, ein tragendes Weibchen zu pflegen, sollte versuchen die Larven in einem separaten Brackwasser-Becken aufzuziehen.
Da eine geglückte Zucht noch nicht beschrieben wurde, sollte man über die Tragszeit des Weibchens, Wasserwerte des Aufzuchtwassers, insbesondere des Salzgehaltes, Anzahl der Häutungen und der Dauer bis zur voll entwickelten Garnele genau Buch führen um mit Kenntnissen und Wissen zur Erhaltung der Art beizutragen. Beiträge und Beschreibungen einer missglückten Zucht sind ebenso sachdienlich wie sie anderen hilft Fehler zu vermeiden.
Diese größer werdende Garnele kennzeichnet, dass die beiden ersten Schreitbeinpaae zu Fächern umgebildet sind. Die dritten bis fünften Schreitbeinpaare sind sehr kräftig. Durch das am stärksten ausgebildeten dritte Schreitbeinpaar ist die Garnele in der Lage sich in stärkster Strömung an Steinen, selbst in Stromschnellen, festzukrallen um mit ihren fächerförmig gespreizten Haarbüscheln an den Scherenfingern Driftnahrung zu fischen.
Die Farbe der Tiere variiert sehr stark. Grautöne von weiß bis schwarz, diverse Blautöne, Grünblau, Braunrot und Violett sind möglich. Die häufigste Coloratur der Tiere ist ein Farbverlauf von Grau zu Blau, dass zusammen mit ihrem urzeitlichen Erscheinungsbild zum deutschen Namen; Blaue Monsterfächergarnele, geführt hat.
Im Gegensatz zu anderen Tieren kann auf Grund der Färbung von Atya gabonensis keine Rückschlüsse auf das Geschlecht oder Alter gezogen werden. Vermutlich gibt die vorherrschende Farbigkeit des lokalen Habitats den Tieren ihre Farbe zur Tarnung vor, denn es kann beobachtet werden, dass mit jeder Häutung die Coloratur immer mehr angepasst wird. Wie dies genau geschieht, ist zwar noch nicht erforscht, läßt aber eine Mitwirkung von Futter, sowie im Wasser gelösten Spurenelementen und Metallionen vermuten. Adulte Tiere zeigen im Schwarzwasser-Aquarium daher oft rotbraune Farbtöne, obwohl sie als eingesetzte Jungtiere noch bläulich gefärbt waren.
Eine verläßliche Geschlechterbestimmung wird mit dem zunehmenden Alter der Tiere möglich. Adulte Männchen bilden das 3. Schreitbeinpaar derart opulent aus, dass es im Gegensatz zum Weibchen, im angelegten Zustand, über den Kopf hinausragt. Dafür sind die abdominalen Panzerplatten des Weibchens weiter nach unten gezogen, als beim Männchen, wodurch das Weibchen im Schwanzbereich fülliger wirkt. Ältere, prägnante Männchen zeigen zuweilen Kiele auf dem oberen Carapax, der stärker als bei den Weibchen ausgebildet wird. Sie erreichen für Garnelen mit mehr als 10 Jahren ein extrem hohes Alter.
IZur artgerechten Haltung der Tiere sind Plätze in kräftiger Strömung ebenso wie Verstecke für den Tag eine Grundbedingung. Die atya gabonensis schwimmt nur bei Flucht oder um eine attraktive Stelle in der Strömung auf einem Stein oder Wurzel auf zu suchen. Sowohl das geeignete Tagesversteck, als auch der attraktive Platz zum filtrieren werden Stammplätze, die immer wieder aufgesucht werden und in unmittelbarer Umgebung (< 5 cm) passiv mit den Krallen am ersten Beinpaar verteidigt werden. Der Unterstand am Tage sollte einerseits ausreichend bemessen sein und andererseits relativ ungestört liegen, um Ruhephasen und Häutung zu gewährleisten.
Hauptsächlich sitzen die Tiere im Dunkel, leben versteckt und sind zuweilen recht scheu. Schwimmpflanzen und Pflanzen mit großen Blättern geben den sonst scheuen Tieren die nötige Geborgenheit um sich auch schon mal am Tage zu zeigen. Ein sandiger Bodengrund ist ebenfalls ein notwendiger Bestandteil zur artgerechten Haltung, da sie im Sand, zur Pflege der Fangarme, ausgesprochen gerne herumwühlen.
Ideal ist es im Schwarzwasser-Aquarium den Platz des Futterautomaten, bzw. der Futtergaben so nach der Strömungspumpe zu positionieren, dass zunächst das Futter an ihren Stammplätzen vorbeidriftet, sodass sie auch ihre benötigte Futterration erhalten. Suchen die Riesenfächergarnelen den Boden nach Nahrung ab ist das ein Alarmzeichen für Hunger und Unterernährung. Kurzfrisstig können die Tiere durch Gaben von Futtertabletten vor dem Tod bewahrt werden. Langfristig ist aber dafür zu sorgen, dass Cyclops, Daphnien, Artemia, weisse oder schwarze Mückenlarven zu Beginn der Dämmerungsphase an ihren Strömungsstandorten möglichst lange vorbeidriften.
Beim Halter setzt dies unter Umständen voraus die Bereitschaft aufzubringen mitunter täglich gezielt zu füttern. Da erst mit der zunehmenden Körpergröße und Alter die Überlebensrate bei Hungerphasen steigt benötigen junge und frisch eingesetzte Tiere Aufmerksamkeit, Beobachtung und gegebenfalls gezielte und kontrollierte Fütterung. Da diese Garnelen dammerungs- und nachtaktive Tiere sind sollte für den Halter die Möglichkeit bestehen dies regelmäßig, bei Jungtieren fasst täglich, zur später Stunde zu tun.
Zumindest die Jungtiere leben in einem Verbund von mehr als drei Exemplaren zusammen. Im Trupp stehen sie nebeneinander, zuweilen kopfüber oder sogar aufeinander um Schwebstoffe zu erbeuten. Zwischen den Tieren wird in Form hamloser Rangeleien eine Hirarchie ausgebildet und Bindungen geschlossen. Vermutlich orientieren sich
Mit friedlichen Nachbarn koexistieren sie im Schwarzwasser-Aquarium problemblos, wenn ihnen ihr benötigtes Habitat zur passiver Nahrungsaufnahme gegeben wird und Rückzugsmöglichkeiten ausreichend vorhanden sind.
Bei gierigen Nahrungskonkurrenten wie Cichliden, Barben oder Salmlern bleibt ihnen unter Umständen nicht genügend Nahrung, sodass sie nach Wochen oder Monaten verhungern. Fische, wie der Elefantenn-Rüsselfisch oder Rückenschwimmende Kongowels z.B., die keine Nahrung aus dem Freiwasser aufnehmen, sind für sie die erste Wahl bei einer Vergesellschaftung, weil diese keine unmittelbaren Nahrungskonkurrenten sind.
Eine Vergesellschaftung mit Großarmgarnelen, Glasgarnele (Macrobrachium lanchesteri) Krebsen oder anderen mit Scheren bewehrter Tiere ist ausgeschlossen, da atya gabonensis totz ihrer robusten Erscheinung , frisch gehäutet volkommen wehrlos sind. Selbst sehr kleine Cambarellus Arten sind in der Lage frisch gehäutete Riesenfächergarnelen zu erbeuten.
Sehr gut funktioniert die Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen, von denen sie sich ausgiebig putzen lassen. Wenn die Zwerggarnelen bestimmte Bereiche an den Beinen absuchen, fallen die Riesenfächergarnelen reflexartig in eine Starre und wirken wie tot. In Wirklichkeit genießen sie aber das Putzen ausgiebig. Beide Arten scheinen von Naur aus aneinander gewöhnt zu sein, sodass neben Riesenfächergarnelen auch immer Zwerggarnelen wie Caridina multidendata , oder Caridina cf. breviata zusammen gehalten werden.
Fazit:

Wer die atya gabonensis artgerecht im Schwarzwasser-Aquarium bis zu 10 Jahren pflegen will, sollte nach Möglichkeit über Erfahrungen in Bezug auf dämmerungs- und nachtaktive Tiere, Zucht von Garnelen im allgemeinen, Bedingungen eines Tropenwasser-Milieus und Brackwassers verfügen.
Diese imposanten Riesenfächergarnelen sollten nicht Gegensatnd von unbedarften Experimenten sein, denn Ziel der Haltung sollte es sein zum Bestand dieser Wildtiere, auch in Kamerun, beizutragen.
Eine Alternative stellt die meisst braune, mit unverkennbarem hellen Rücken-Strich gekennzeichnete Riesenfächergarnele atya moluccensis dar, die bereits als Nachzuchten im Handel angeboten werden, robuster und weniger scheu sind, häufiger umher schwimmen, tagaktiver sind und dadurch leichter mit Nahrung zu versorgen sind, als dies bei atya gabonensis der Fall ist. Diese auch Bergwassergarnele, oder wegen ihrer Herkunft auch Molukkenfächergarnele genannten, zigarrenförmigen Tiere werden bis zu 10 cm Groß und leben im ähnlichen Habitat, sind aber in Kamerun nicht heimisch.