Fische

Knochenfische
Wer Fische meint, denkt in erster Linie an Knochenfische, denn 96% aller Fische sind welche. Nur ca. 4 % der Fische zählen zu den Knorpelfischen und leben, bis auf den Süßwasserrochen ausschließlich im Meer. Knochenfische und Knorpelfische sind entwicklungsgeschichtlich nicht miteinander verwandt.
Knochenfische sind eine sehr alte Tiergruppe. Viele der älteste Fossilien stammen aus der Devonzeit vor ca. 330 Millionen Jahren. Auf Grund von logischen Rückschlüssen in der Evolutionsgeschichte wird aber vermutet, dass Knochenfische bereits vor ca. 400 Millionen Jahren zahlreich existiert haben müssen. Das im Flinder-Gebirge (Süd-Australien) entdeckte Fisch-Fossil, mit einem Alter von 560 Millionen Jahren, gilt als das älteste bekannte Wirbeltier.
Die Wiege der Knochenfische liegt im Süßwasser mit Lage im Zentrum des Uhrkontinents. Diese Zone des Urkontients befindet sich heute fragmentarisch im tropischen Afrika und Amerika. Von hier aus sind die Knochenfische sowohl in die Meere, als auch an Land ausgewandert und sind somit die Vorfahren aller Wirbeltiere, einschließlich des Menschen. Obwohl nur ca. 3 % des Wasservorkommens der Erde Binengewässer mit Süßwasser sind, beherbergen diese heute immer noch ca. 40 % aller Knochenfischarten.
Knochenfische entwickeln sich durch Metamorphose von Larven zu Jungfischen, indem larvale Organe abgestoßen oder umgewandelt werden.
Die Haut der Fische besteht aus der bindegewebshaltigen Lederhaut, in der sich Farbzellen und Schuppen befinden, und der mit Schleimdrüsen versehene Oberhaut. Der dort gebildete Schleim ist antibakteriell und hat für die Knochenfische eine schützende Wirkung.
Eine Untergruppe der Knochenfische bilden die sogenannten Echten Knochenfische, die eine vollendete Verknöcherung der Schädel und der Wirbelsäule aufweisen. Als erstes entstanden die ovalen (Cycloid-), Rundschuppen, die nur aus Knochensubstanz bestehen. Die noch jüngeren echten Knochenfische bilden dagegen (Ctenoid-), Kammschuppen aus. Diese knöchernen Schuppen verringern den Strömungswiderstand am besten. Die Echten Knochenfiche unterscheiden sich auch dadurch von den Knochenfischen, weil sie eine eigene Ei- und Samenleiter ausgebildet haben, und nicht die Harnleiter zur Ausleitung der Keimzellen benutzen.
Die Systematik der Knochenfische umfaßt 30 Ordnungen, ca. 420 Familien, ca. 3700 Gattungen mit mehr als 29.000 Arten. Auch heute werden sowohl im Meer als auch im Süßwasser immer noch neue Arten entdeckt.
Die kräftige Schwanzflosse dient im Zusammenspiel mit einer schlängelden Körperbewegung Mittels der Rumpfmuskulatur der Fortbewegung. Die Muskulatur der weiteren Flossen dienen der Stabilisierung. Nur der Messerfisch bewegt sich mittels seiner wellartig berwegten Afterflosse fort. Eine große Anzahl von Muskeln sitzen am Kopf der Knochenfische und werden zur Nahrungsaufnahme und zur Atmung benötigt.
Der Geruchssinn der Knochenfische ist sehr ausgeprägt, denn Nasen- und Mundhöhle sind voneinander getrennt. Außerdem besitzen die Tiere auch Sinneszellen an den Lippen die ebenfalls Geschmacksreize übertragen. Bodenlebende Knochenfische mit Barteln, wie der Rückenschwimmende Kongowels (Synodontis nigriventris) z.B. besitzen diese Sinneszellen auch an ihren Barteln.
Über ihre Schwimmblase besitzen die meisten Knochenfische die Eigenschaft ihr spezifisches Gewicht (Dichte) zu regulieren, um sich im Wasser zu tarieren, so dass sie im Wasser schweben, bzw. tendenziell leicht zu Boden sinken. Während bei den Karpfen die Schwimmblase mit dem Darm verbunden ist, besitzen die Barsche vom Darm getrennte Kammern. Der Auftrieb wird über die Gasdrüse, bzw. dem Verbindungsgang zum Darm reguliert, indem Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid aus dem Blut in der Schwimmblase angesammelt werden oder wieder an das Blut abgegeben werden.
Das einfache Herz, bestehend aus Vorhof und Herzkammer, pumpt venöses Blut direkt in die mit Kapillaren durchzogegen Plättchen der Kiemen. Diese sind auf Grund ihrer enormen Oberfläche mit einer Sauerstoffaufnahme von 70 % des verfügbaren Sauerstoffs im Wasser außerordentlich effektiv. Über das Blut werden auch die in den inkretorischen Drüsen gebildeten Hormone, prinzipiell wie beim Menschen, transportiert.
Die Gehör- und Gleichgewichtsorgane bestehen bei Karpfen, Salmlern und Welsen aus geschlossenen, flüssigkeitsgefüllten Blasen, die über bewegliche Knochen mit der Schwimmblase verbunden sind. Meist werden Frequenzen bis 1.000 Herz gehört. Einige Arten haben aber den Hörbereich derart verbessert, dass sie im Stande sind Frequenzen bis über 5.000 Herz zu signalisieren.
Über ihr Seitenlinienorgan, dass sich mittig über einen Großteil des Körpers erstreckt sind Knochenfische in der Lage Wasserströmungen, über Sinneszellen und Sinneshaaren in Hauteinstülpungen, wahrzunehmen. Auch am Kopf befindet sich dieses Organ, so dass Knochenfische Veränderungen der Strömung sehr gut lokalisieren können.
Knochenfische besitzen starre Linsen in ihren Augen. Durch einen Augenmuskel können die Tiere den Nahbereich oder den Fernbereich fokusieren, indem der Muskel an- oder entspannt wird. Bei Fischen mit leuchtenden Augen wie dem Langflossensalmler (Brycinus-longipinnis) kann dieser Vorgang sehr auffällig und deutlich beobachtet werden, da es scheint als würden die Fische dem Beobachter zublinkeln. Viele Knochenfische sind auch farbsichtig und einzelne Arten können sogar ein Farbspektrum bis in den ultravioletten Bereich hinein wahrnehmen.
Inbesonder die bodenlebenden Knochenfische haben ihen Tastsinn gut entwickelt. Vorwiegend an den Barteln und Lippen befinden sich in der Oberhaut Sinneszellen, die Berührungen quantifizieren.
Die jüngste Entstehung weisen die Kletterfische, die auch Labyrinthfische genannt werden, mit ihrer Entstehung vor ca. 50-60 Millionen Jahren im Tertiär, auf. Sie kenntzeichnet ein zusätzliches Atmungsorgan, dass sie von den anderen Knochenfischen unterscheidet. Solange diese Fische nicht austrocknen, können sie auch stundenlang außerhalb des Wassers überleben, da sie die Fähigkeit entwickelt haben auch atmosphärische Luft über ihre Ausstülpungen im Kiemenbereich zu atmen. Diese Eigenschaft befähigt diese Fische in austrocknenden und ökologisch ungünstigen Gewässern länger zu überleben, aber auch über kurze Strecken, mit Hilfe ihrer Brustflossen, Land zu überschreiten um neue Gewässer zu suchen. Ihre Eigenschaft, praktisch aus dem Schlamm klettern zu können, gab ihnen ihren Name: Kletterfische.
Amphibisch lebende echte Knochenfische, wie der Schlammspringer (Periophthalmus), der im Brackwasser der Mangrovenwälder Kameruns lebt, besitzen zudem noch ein weiteres Atmungsorgan, denn sie können Sauerstoff aus der Luft über ihre Haut aufnehmen.
Bezüglich der Fortpflanzung haben die Knochenfische Kameruns ganz individuelle Methoden entwickelt, die sich in folgende Gruppen unterteilen lassen: die Freilaicher, die Substratlaicher oder Offenbrüter, die Höhlenbrüter, die Maulbrüter und die Schaumnesbauer.
Die Freilaicher stellen die größte Gruppe unter den Knochenfischen dar. Die Weibchen geben die Eier einfach ins Wasser ab, während die Männchen unmitttelbar anschließend ihre Samen ebenfalls ins Wasser absetzen. Die befruchteten Eier sinken zu Boden und sind in ihren Entwicklung sich dann vollkommen selbst überlassen, da diese Fische keine Brutpflege betreiben. Zu ihnen zählen in erster Linie die Schwarmfische, die die freien Wasserzonen bevölkern.
Bei den Substratlaicher oder Offenbrüter werden die Eier nach einem Liebesspiel vom Weibchen auf Pflanzen oder Substrat abgelegt und anschließend vom Männchen befruchtet, ohne das eine weitere Brutpflege stattfindet.
Die Höhlenbrüter suchen zunächst einen geeigneten natürliche Unterschlupf oder höhlen diesen unter Objekten aus. Unter das Dach der Höhle werden dann die Eier abgelegt und anschließend vom Männchen befruchtet. Anschließend wird eine Grube ausgehoben, in der die Jungen bewacht und gegen Fressfeinde verteidigt werden, bis ihr Dottersack verbraucht ist. Anschließend werden die Jungfische von einem oder beiden Elternteilen abwechselnd durch das Revier geführt. Da einige Knochenfische zu dieser Zeit ihre Brut mitunter recht agressiv verteidigen sind nur wenige dieser Fische für ein Gemeinschaftsaquarium geeignet.
Bei den Maulbrütern nehmen die Weibchen die Eier sofort nach der Ablage ins Maul. Das Männchen schwimmt anschließend quer zum Weibchen übers Maul, gibt seinen Samen ins Wasser ab, der anschließend vom Weibchen zur Befruchtung ins Maul gesogen wird. Die Jungfische entwickeln sich dort relativ weit fort, ströhmen von da aus und kehren aber bei Gefahr ein zeitlang zum Schutz dahin wieder zurück, bis sie größer und selbständig werden.
Schaumnestbauer sind unter den Labyrinth-, bzw. Kletterfischen zu finden. Die Männchen bilden häufig an der Wasseroberfläche zwischen Schwimmplfanzen ein Schaumnest zu dem sie anschließend das Weibchen zur Eiablage treiben. Dort wird das Weibchen vom Männchen auf den Rücken gedreht indem das Männchen mit seinem Körper das Weibchen umschlingt. Auf diese Weise treiben die Eier nach oben ins Schaumnest wo sie kurz darauf vom Männchen besamt werden. Dann wird das Weibchen vertrieben und die Brut vom Männchen so lange bewacht, bis die Larven geschlüpft sind.
Typische Vertreter der Knochenfische und gute Pfleglinge in einem Schwarzwasser-Aquarium eines tropischen Regenwald-Fluss-Biotops Kameruns sind;
Salmler:
Langflossensalmler (Brycinus-longipinnis)
Gelber Kongosalmler (Alestopetersius caudalis)
Roter Kongosalmler (Alestopetersius imberi)
Blauer Kongosalmler (Alestopetersius interruptus)
Afrik. Großschuppensalmler (Arnoldichthys spilopterus)
Normans Leuchtaugenfisch (Aplocheilichthys normani)
Einstreifensalmler (Neolebias unifasciatus)
und andere Neolebias-Arten
Cichliden (Barsche):
Smaragdprachtbarsch (Pelvicachromis taeniatus)
Purpurprachtbarsch (Pelvicachromis pulcher)
Zebra-Zwergbuntbarsch (Nanochromis transvestitus)
Chromidotilapia guntheri guntheri
Hemichromis cristatus
Hemichromis fasciatus
Killifische:
Gebänderter Prachtkärpfling (Aphyosemion bivittatum)
Welse:
Rückenschwim. Kongowels (Synodontis nigriventris)
Echten Knochenfische:
Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi)
Elefanten-Rüsselfisch / Tapirfisch (Gnathonemus petersii)
Labyrinth- / Kletterfische:
Zwergbuschfisch (Microctenopoma nanum)