Rückenschwimmender Kongowels

Synodontis nigriventris
Der vorwiegend nacht- und dämmerungsaktive Rückenschwimmende Kongowels ist ein typischer Vertreter der Fiederbartwelse Afrikas, der im Tiefland-Regenwald Kameruns, bis in die Mündungsgebiete der Flüsse und in Küstennähe, mit einem Salzgehalt von bis zu 15 Promille, vorzufinden ist.
Diese zu den Fiederbartwelsen gehörenden Tiere sind im gesamten Kongobecken heimisch und teilen sich dort mehr oder weniger mit allen anderen Fischen ihren Lebensraum wenn sie ihre benötigten, typischen Rückzugsgebiete vorfinden.
Ihr Habitat zeichnet sich durch viele Unterstände und Höhlen aus, die häufig durch zahllose Verstecke zwischen Fels, Hölzern und Wurzeln nahe der Uferregionen von langsamfließenden Gewässern und Seen zu finden sind und voll zahlreichen Schwimmpflanzen und Schwimmblatttpflanzen überwuchert sind. Die Tiere sind standorttreu, hausen also in einer Gruppe solange an einem Ort, wie dieser ihnen genügend Nahrung bietet, was in einem Aquarium natürlich kein Problem darstellen sollte. Einmal eingenommene Unterstände oder Höhlen werden auch gegen artfremde Tiere verteidigt.
Die Welse leben im geeigneten Habitat zeitlebens standorttreu und teritorial in einer Gruppen zusammen und erreichen ein für Fische sehr hohes Alter von ca. 17 Jahren. Die Tiere einer Gruppe pflegen zudem regen Kontakt untereinander und verständigen sich dazu sogar über akustische Signale miteinander. Zur artgerechten Haltung ist daher eine Pflege von mindestens 4 Tieren unterschiedlichen Geschlechts im Schwarzwasser-Aquarium angezeigt.
Im natürlichen Licht, bzw. am Boden von Schwarzwasser-Fließgewässern und im Schatten von Unterständen verschaffen ihnen ihre dunkle Bauchseite in Rückenschwimmlage, sowie ihr marmoriert gepunkteter schwarz-braun-blauer Rücken optimale Tarnung. Oftmals wird man ihrer auch in einem Aquarium garnicht gewahr, wenn sie z.B. unter Hölzern bewegungslos darstehen.
Ihre rückenschwimmende Haltung haben diese Fische entwickelt, weil sie für Welse, eigendlich untypisch, sich darauf spezialisiert haben auch Nahrung unterhalb der Wasseroberfläche, oder von Blattunterseiten (Laich oder Cyanobakterien) aufnehmen zu können. Ihre Nahrungsaufnahme erfolgt dabei im Regelfall ebenfalls rückenschwimmend. Am Boden drehen sie sich in ihre normale Körperhaltung zur Nahrungsaufnahme zurück um mit ihrem vorragendem Unterkiefer ihres Maul dort ebenfalls Nahrung erbeuten zu können.
Die Beute wird vorwiegend nachts gefangen, wobei die Augen eine untergeordnete Rolle spielen, denn Welse verfügen über einen hervorragenden Geruchs- und Geschmackssinn; die Rezeptoren für süß, sauer, bitter und salzig umfasst. Diese Rezeptoren befinden sich im Maul, an den Lippen, auf den Barteln, aber auch an den Flossen, sowie in der Haut des Kopfes und des Vorderkörpers.
Typisch für Welse können sie Stunden und sogar bis zu Tage in ihren Unterständen ausharren, bis sie erneut ihre Beute wittern, die sie mit ihrem außerordentlich sensiblen und effektiven Geschmacks- und Geruchssinnen an ihren Barteln, die dirket neben ihren Nasenöffnungen sitzen, gewittert haben.
Stets fallen sie im Kollektiv über ihre Beute her und sorgen so dafür, dass sie auch gegenüber revierbildenede Barschen, wie dem Purpurprachtbarsch (Pelvicachromis pulcher) zum Beispiel, auch immer selbst ihre benötigte Futterration abbekommen, da ein revierbildender Fisch in seinem Revier lediglich immer nur einen Wels vertreiben kann und die Tiere einer Gruppe, insgesamt betrachtet, dank ihrer Strategie, alle ausreichend zum Fressen kommen.
Das volle Spektrum ihrer Körperfarbe kann nur durch zusätzliches Licht, wie mit einem Blitzlichtgerät einer Kamera, deutlich aufgezeigt werden. Wenn die Tiere zum Beispiel im Dunkeln, also einem braunschwarzen Schattenbereich von Wurzeln stehen, sind sie im natürlichen Licht mit bloßem Auge schwer auszumachen. Meißt wird man ihrer auch dann erst gewahr, wenn sie zur Nahrungssuche ausschwärmen und viel Mulm und/oder Sand aufwirbeln.
 
Artbeschreibung:
Der Rückenschwimmende Kongowels gehört zu den Fiederbartwelsen. Er ist einer der ca. 100 Arten der Gattung Synodontis. Insgesamt kennt man 10 Gattungen mit 150 Arten von Fiederbartwelsen. Ihr Name ist darauf zurückzuführen, dass sie drei Paar gefiederte Barteln besitzen. Weiterhin ist für diese Welse ihre lange Fettflosse und hochrückiger Körperbau auffällig.
Über der grauen, zuweilen graublauen oder graubraunen Grundfärbung liegt eine fleckige, aquarellig verlaufende schwarze Marmorierung. Die Seiten weisen gelegentlich einen rotvioletten Schimmer auf.
Die Färbung ihrer schuppenlosen Haut ist variabel und passt sich mit der Zeit dem Habitat an, so dass die ruhenden Tiere fast unmerklich sich in ihren Unterständen, gut getarnt, fast vollständig mit ihrer Umgebung optisch verschmelzen.
Sollten sie jedoch trotzdem einmal von einem größeren Raubfisch erbeutet werden, stellen sie ihre kräftigen zu starken Dornen ausgebildeten Haftstrahlen auf. Diese Dornen verhindern es oft, dass sie den Schlund des Raubfischs hinunter gleiten, so dass dieser den Wels meißt auch sofort wieder ausspeit.
Der Rückenschwimmende Kongowels weist generell keinen auffälligen Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen sind bei gleichem Alter aber meißt etwas länger und schlanker als weibliche Tiere. Die Weibchen sind daher schwerer und haben besonders vor dem Ablaichen einen deutlich geschwollenen Unterleib. Beim Männchen ist die Afteröffnung schmaler und zugespitzter. Die Geschlechtswarze des Weibchens ist im Gegensatz ovaler, geschwollen und endet gerundet.
Gut gesättigte Tiere, insbesondere die trächtigen Weibchen scheinen zuweilen ballonartig gedrungen, da 80 % ihrer Körperhöhle der Schwimmblase vorbehalten ist und der eiergefüllte Bauch und der gedehnte Magen wie aufgeblasen, kugelig hervorstehen.
Das Männchen bleibt ausgewachsen mit insgesamt ca. 8 cm , 2 cm kleiner und schlanker als die Weibchen, die eine gedrungenere Körperlänge von ca. 10 cm erreichen.
Diese Welse erzeugen Laute mit ihrem dorsalen Knochenfortsatz des Brustflossenstrahls in ihrer Gelenkrinne. Durch das Vor- und Zurückbewegen der Brustflosse entstehen unterschiedliche Töne im tiefen Frequenzbereich von 2 bis 4 kHz, das auch für das menschliche Ohr grundsätzlich hörbar ist. Das Abspreitzen der Brustflosse ist langsamer, wodurch der Ton tiefer und länger wird als beim Anziehen.
Hören tut der Rückenschwimmende Kongowels mittels seiner Schwimmblase, der wie ein Klangkörper die Aufgabe des Trommelfels von Säugetieren übernimmt und über Knöchelchen und Sehnenverknöcherungen (Weberscher Apparat) die Schallwellen an das Innenohr zum Labyrinth weiterleitet.
 
Besonderheit:
Besonders auffällig ist die Schwimmweise in Rückenlage. Nach ihrem Jungfischstadium von ca. 7 Wochen, geht der Rückenschwimmende Kongowels dann als einzige Synodontis-Art dazu über nur noch in Rückenlage zu schwimmen. Die einzige Ausnahme bildet die Nahrungsaufnahme vom Boden, wozu sich die Fische dort dann in die ursprüngliche Ausrichtung zurück drehen.
In der Regel sind deshalb noch keine Jungtiere in den oberen Wasserregionen unter Wurzeln, Schwimmpflanzenblättern und Anubiasblättern, nahe der Wasseroberfläche, in rückenschwimmender Lage bei ihrem Beutezug zu beobachten. Für Fressfeinde außerhalb des Wassers, wie Vögel, sind sie im Schwarzwasser mit ihrem negrofinen Bauch kaum bis garnicht auszumachen. Ihre emsige "zappelige" Schwimmweise erschwert jedem Schnabel außerdem den fischenden Zugriff.
Unmittelbar hinter dem muskulösen Schlund des Rückenschwimmenden Kongowelses folgt ein stark dehnbarer Magen. Im Gegensatz zu anderen Fischen ist dieser Fisch deshalb in der Lage auf einmal und in kurzer Zeit größere Mengen an Nahrung aufzunehmen um sich anschließend wieder während der Verdauungsphase, die bis zu mehrere Tage anhalten kann, versteckt aufzuhalten. Hungrige Tiere gehen in der Regel nur Nachts oder in der Dämmerung auf Nahrungssuche, wenn sie zwischenzeitlich keine Nahrung wittern konnten und auch keine Beute machten.
Für artgerecht gehaltene und ernährte Tiere bedeutet dies, dass man diese praktisch nur während der Fütterungszeit beobachten kann. Wenn alle Nahrung aufgenommen wurde zieht sich die Gruppe wieder zurück und die einzelnen Welse verschwinden in ihren Verstecken.
 
Sozialverhalten:
Der Rückenschwimmende Kongowels lebt in einer Gruppe von mehr als 4 Tieren in Höhlen und Unterständen verteilt zusammen. Jedes Tier bevorzugt meist einen Stammplatz, dass er gegen Artgenossen und artfremden Tieren behauptet. Die Tatsache in Rückenlage unter dem Höhlendach, Hölzern oder Steinen auszuharren, wo sie von am Boden stöbernden Räubern nicht vermutet und gesehen werden, verschafft ihnen zusätzliche Sicherheit.
Untereinander kommunizieren die Tiere über akustische Signale miteinander. Wenn von einem Tier Nahrung gewittert wird, verlassen die Einzelnen ihre Behausung und fallen dann als Gruppe über ihre Beute kollektiv her.
Die Tiere sind ausgesprochen friedfertige, oportunistische Räuber und können deshalb gut mit Fischen der mittleren und oberen Wasserregionen vergesellschaftet werden. Auch die gemeinsame Haltung mit größeren Garnelen ist unproblematisch, wenn diesen ausreichend versteckte Rückzugsräume zur Häutung bereitstehen.
Ideal ist es den Rückenschwimmenden Kongowels mit Salmlern zu vergesellschaften, denn beide Tierarten harmonieren vortrefflich, denn ihre Habitate überschneiden sich nur dann, wenn die Welse zu kurzweiligen Exkursionen zu den Unterseiten der Schwimmpflanzen, und Anubias-Blättern aufbrechen.
Auch Oberflächenfische, wie z.B.: der Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi), beachten Synodontis nigriventris überhaupt nicht.
Mit allen Pelvicachromis-Arten wie zum Beispiel dem Smaragdprachtbarsch (Pelvicachromis taeniatus), oder dem Zebra-Zwergbuntbarsch (Nanochromis transvestitus) kann dieser Wels ebenfalls gut vergesellschaftet werden.
 
Paarungs- & Brutverhalten:
Unter günstigen Bedingungen heften die Weibchen an besonders lichtgeschützten, dunklen und verwegenen Stellen an Objekten bis zu 450 Eier an, aus der nach ca. einer Woche die Jungfische schlüpfen. Die Eltern betreiben diese Zeit über eine Art Brutpflege. Nachdem die Jungfische ihren Dottersack in ca. 4 Tagen verbraucht haben, stellen sie dann schon jung geschlüpften Kleinkrebsen, wie z.B. Artemia, bald nach.
Die schwarze Müchenlarven als Nahrung (Frostfutter) sind eine Voraussetzung für günstige Bedingungen und verleiten die Tiere oftmals zur Brut .
Die Vermehrung wird zuweilen als zufällig bezeichnet, ist sie aber nicht, denn der Rückenschwimmende Kongowels weist ein durchaus langes Leben auf und vermehrt sích auch nur dann, wenn die ausreichende Versorgung seines Nachwuchses gesichert scheint ohne dabei die eigene Existenz als Beeinträchtigt ansehen zu müssen. Wenn dies aber der Fall ist, wird selbst den eigenen Jungtiere kanibalistisch nachgestellt. Aus diesem Grund empfiehlt es sich die Jungtiere in ein separates Aufzuchbecken umzusetzen.
 
Nahrung:
Diese Fische sind auf die Erbeutung der Schwarzen Mückenlarven (Stechmücke) spezialisiert, dass ihre Hauptnahrung darstellt. Die Stechmücken legen ihre Larven meist in Schiffchen an der Wasseroberfläche zwischen Schwimmblattpflanzen und Schwimmpflanzen ab.
In zweiter Linie suchen sie die Unterseiten der Blätter von Wasserpfanzen nach Laich und anderen Insektenlarven ab. Daher ist es unerlässlich sich bei diesen Tieren in der Haltung auf diesen Umstand einzustellen. Außerdem erbeuten diese Tiere auch gerne Insektenmumien, kleine Wirbellose und Jungfische nahe der Wasseroberfläche in rückwärtiger Schwimmweise.
Deshalb sollte den Tieren mindestens einmal am Tag Mückenlarven, ersatzweise als Frostfutter, im Schwarzwasser-Aquarium dargeboten werden. Auch wenn sie eigendlich noch gesättigt sind, ihre Leibspeise lassen sie sich niemals entgehen, was sie sicher aus ihren Verstecken lockt.
Cyanobakterien sind ebenfalls ein fester Bestandteil ihrer Ernährung, deshalb sollte diesen Tieren regelmäßg Spirulina-Tabs angeboten werden
 
Beckeneinrichtung:
Diese Tiere benötigen natürliche Höhlen zwischen Fels, bzw. Steinen, Hölzern und Algen (Moosalge), und zwar ein ganzes Labyrinth an Unterständen, Verstecken und Höhlen. Die von ihnen nicht genutzten Höhlen werden erfahrungsgemäß von den anderen Beckeninsassen, wie z.B. höhlenbrütenden Zwerbuntbarschen als Behausung und Zufluchtsort gerne eingenommen.
Wichtig ist es, dass im Bereich der Höhlen auch Algen vorhanden sind, denn eine aufgebrochene und zur Höhle umfunktionierte Moosalgen-Kugel (Marimo) wird gerne als Schlummerplatz eingenommen und fördert das Wohlbefinden der Tiere deutlich.
Für jedes Tier sollte eine gut strukturierte Grundfläche mit Unterständen von ca. 40 cm² und freiem Schwimmraum zur Verfügung stehen, so dass ein Aquarium mit den Ausmaßen von ca. 120 cm Länge und von ca. 60 cm Breite für 4 Tiere als Mindestgröße angesehen werden kann, denn mit zunehmenden Alter benötigen die Tiere diesen Raum um ihr Schwarmverhalten nicht abzulegen und sie sich auch als Senioren zurück ziehen können. Ein territoriales Einzelgängertum im Alter, das für die sehr groß werdenden Welsarten normal ist kann beim Rückenschwimmenden Kongowels nicht beobachtet werden. Ihrem Typus als klein bleibende Art entspricht es zeitlebens im Rudel zu jagen.
Ideal ist es eine Unterkonstruktion ins Aquarium einzubringen, die dann wie eine kellerartige Unterwelt von den Tieren genutzt werden kann über der sich dann weitere natürliche Aufbauten aus Hölzer, Steinen und Moosalgen befinden.
 
Kauf:
Ein Kauf nach Geschlechtern erweist sich zuweilen auf Grund des geschlechtlich indifferenten Jugendstadiums als unmöglich. Daher empfiehlt es sich darauf zu vertrauen mit mehreren Tieren auch unterschiedlich Geschlechter zu erwerben. Wer zuweilen die kleinsten Tiere in der Zoohandlung auswählt erwirbt mitunter einen höheren Männchenanteil, das sich aber später in der Haltung in einem Schwarzwasser-Auqarium als vollkommen unproblematisch erweist.

Fazit:
Wer einmal diese Welse gepflegt hat wird sie unmittelbar vermissen, wenn sie einmal nicht mehr da sein sollten, denn sie lassen sich praktisch zur Fütterungszeit rufen, denn wer ihnen ihre Lieblingsnahrung; Mückenlarven bietet, lockt sie schnell aus ihren Verstecken hervor.
Wer sie zudem in einem Gemeinschaftsaquarium pflegt kann sich einer Geburtenkontrolle im Aquarium sicher sein, denn sie stellen die regulative Größe zur Vermehrung der Fischarten dar. Dies sowohl in freier Natur, als auch im Aquarium.
Ihre Haltung ist im Schwarzwasser-Aquarium realtiv unproblematisch und selbst die Vermehrung gelingt, was für Welse in einem Aquaium schon eine relative Ausnahme darstellt.
 
Gute Gesellschafter in einem Schwarzwasser-Aquarium eines tropischen Regenwald-Fluss-Biotops Kameruns sind für den Rückenschwimmenden Kongowels:
Salmler:
Langflossensalmler (Brycinus longipinnis),
Gelber Kongosalmler (Alestopetersius caudalis),
Roter Kongosalmler (Alestopetersius imberi),
Blauer Kongosalmler (Alestopetersius interruptus),
Afrik. Großschuppensalmler (Arnoldichthys spilopterus)
Cichliden (Barsche):
Smaragdprachtbarsch (Pelvicachromis taeniatus)
Purpurprachtbarsch (Pelvicachromis pulcher)
Zebra-Zwergbuntbarsch (Nanochromis transvestitus)
Killifische:
Gebänderter Prachtkärpfling (Aphyosemion bivittatum)
Echten Knochenfische:
Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi)
Labyrinth- / Kletterfische:
Zwergbuschfisch (Microctenopoma nanum).