Algen

Im tropischen Tiefland-Regenwald Kameruns leben Algen nicht nur im Wasser, sondern auch auf Bäumen und Felsen. Diese Luftalgen sind am häufigsten auf Blättern zu finden. Manche Luftalgen haben sich auf eine Lebensweise im Schatten und auf die Schattenseiten von Baumstämmen und Felsen spezialisiert.
Die im Wasser lebenden Algen werden als Phytoplankton, den pflanzlichen Teil des Planktons, bezeichnet. Das tierische und pflanzliche Plankton stellen den Beginn der Nährungskette dar und sind Grundbestandteil der Ernährung der im Wasser lebenden Tiere.
Während sich einzelne Tiere, wie die Riesen-Fächer-Garnele (atya gabunensis) ganz auf den Verzehr von Planktion spezialisiert haben überbrücken andere, wie z.B. der Rückenschwimmende Kongowels (synodontis nigriventis) durch den zeitweiligen Verzehr von Algen ein vorübergehend fehlendes fleischieges Nahrungsangebot. Garnelen, die auch regelmäßig Algen zu sich nehmen sind zwischen den einzelnen Algen-Arten durchaus wählerisch. Während einige begehrte Algenarten begierlich vom Substrat geschabt werden, werden andere, scheinbar weniger Schmackhafte, vollkommen ignoriert.
Weltweit existieren schätzungsweise 400.000 Algen-Arten. 125.000 hiervon sind bekannt. Algen zeichnen sich durch einen außerordentlichen hohen Anteil von Spurenelementen und Mineralstoffen aus. Algen sind reich an Kohlehydraten, Fettsäuren, Steroiden und Vitaminen. Die riesiege Artenvielfalt der Algen, insbesondere die des Regenwaldes, ist bislang noch weitgehend unerforscht.
Algen sind nicht nur seit ca. 3 Milliarden Jahren eine der ältesten Lebensformen auf der Erde überhaupt, sondern zusammen mit den Cyanophyta (Blaualgen werden wissenschaftlich nicht mehr den Algen zugeordnet) die erste erfolgreiche Pflanzengruppe auf unserem Planeten. Dies ist auch der Grund warum sich diese Pflanzen auch in einem Aquarium als erstes scheinbar wie von selbst aus den Keimen im Wasser entwickeln. Nach schon ca. 14 Tagen ist die Phase des sogenannten "Einfahrens" abgeschlossen. Erst wenn diese erste Phase eines Aquariums abgeschlossen ist, werden höhere Tiere eingesetzt.
Vor ca. 2 Milliarden Jahren schufen Algen unsere Sauerstoff-Atmosphäre, und damit verbunden die Grundlage für jedes höhere Leben. Ca. 50% des photosynthetisch gebildeten Sauerstoffs auf unserer Erde wird auch heute noch ausschließlich von Algen gebildet.
Vor ca. 1 Milliarde Jahren sind aus den Algen dann die ersten Landpflanzen entstanden.
Algen sind die vorherrschenden Primärproduzenten in allen aquatischen Lebensräumen und dienen unzähligen Klein- und Kleinstlebewesen als Existenzgrundlage. Von ihrer Aktivität hängt aber auch die Existenz aller übrigen im Wasser lebenden höheren Organismen ab. Ihre Anwesenheit ist die erste Voraussetzung für eine artgerechte Haltung von Tieren in einem Aquarium. Sie sind nicht blos Nahrungs- und Sauerstofflieferant, sondern verschaffen den Lebewesen im Wasser erst ihr allgemeines Wohlbefinden.
Die Algen in den Fließgewässern des tropischen Regenwald-Tieflandes Kameruns lassen sich wie folgt in Gruppen unterteilen:
Symbiotische Algen leben in anderen Organismen. Flechten z.B. sind eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz und Grünalgen oder Cyanobakterien. Die Algen produzieren durch Photosynthese Kohlenhydrate, die von den Pilzen aufgenommen werden, während die Pilze den Algen Wasser und Nährsalze liefern.
Im Neuston leben Grünalgen, die unter der Ausnutzung der Oberflächenspannung des Wasser in oder auf der Wasseroberfläche siedeln. In diese Kahmhaut wachsen und vermehren sich einzellige Grünalgen die dort neben Pilzen und Bakterien leben. In stehenden Gewässern kann sich eine geschlossene Kahmhaut bilden, die keinen Gas- und Luftaustausch mehr ermöglicht. In einem Fließgewässer mit Strömung, ständiger Bewegung und Aufwirbelung der Wasseroberfläche wird dies unterbunden. Eine geschlossene Kahmhaut im Aquarium kann ein Indiz für einen Überbesatz mit Tieren, für zu wenige schnellwüchsige, submerse Pflanzen, für zu seltene, unausreichende Wasserwechsel und für fehlende Strömung mit Verwirbelungen an der Wasseroberfläche sein.
Phytoplankton sind Algen, die frei im Wasser treiben und als Primärproduzent mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Nährstoffen ihre Körpersubstanz (Biomasse) aufbauen. Zum Pflanzen-Plankton gehören hauptsächlich Kieselalgen (Bacillariophyta), Grünalgen, Goldalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien (Blaualgen).
Phytobenthos sind Algen die am Grund oder an Gegenständen fest sitzen. Pflanzliches Benthos ist wegen der Photosynthese vom Lichteinfall abhängig und daher nur in der photischen Zone des Litorals zu finden. Es handelt sich dabei um: Rotalgen (Rhodoplantae), Kieselalgen (Bacillariophyta) und Grünalgen (Chlorophyta). Als die älteste bekannte benthische Lebensform gelten die Stromatolithen.
Epiphytische Algen bewachsen andere Organismen wie Tiere oder Pflanzen (Basibionten). Licht, Strömung, Oberflächenstruktur und Nährstoffangebot sind neben weiteren die in erster Linie bestimmenden Merkmale für die einzelne Algenart sich an zu siedeln.
Es gilt zu bedenken das es sich bei den obigen Algen-Bezeichnungen jeweils um Sammelbegriffe einzelner Algen-Gruppen handelt und sich vor Augen führen das jede Algengruppe aus hunderten oder abertausende einzelner Arten besteht. Jede einzelne Art ist in den 3 Mio. Jahren Entwicklungsgeschichte unter ganz speziellen Bedingungen entstanden, so dass Algen auf nahezu alle ökologische Nieschen spezialisert sind. Es existiert praktisch zwischen der Arktis und den "hot smokern" der Tiefsee, an denen sie auch vorkommen, kein Platz ohne sie auf der Erde.
In einem Schwarzwasser-Fließgewässer bilden Algen zudem eine Arten-Kombination aus (Biozönose), indem benthische und planktische Algen eine Lebensgemeinschaft ausbilden. Da die Artenvielfalt des tropischen Tiefland-Regenwaldes und die damit verbundenen ökologischen Nischen des Biotops entsprechend hoch sind, ist die Biozönose entsprechend artenreich. Biozönosen stellen ein dynamisches System dar, dass sich beständig ändert. Bleiben Individuen- und Artenzahlen über einen längeren Zeitraum konstant, befindet sich das Ökosystem im Gleichgewicht. Veränderungen der Umweltbedingungen oder der Artenzusammensetzung können aber eine Biozönose rasch verändern.
Für ein Schwarzwasser-Aquarium hat das zur Folge, dass ständig Veränderungen zu beobachten sind, da die ökologischen Bedingungen nicht so stabil aufrecht erhalten werden können, wie es im tropischen Tiefland-Regenwald der Fall ist, denn je kleiner ein ökologisches Gleichgewicht ist, umso instabiler wird es. Allein der Austausch einer neuen Leuchtstoffröhre gegen eine Verbauchte z.B., fürt zu einer höheren, plötzlichen Schwankung des Lichts, als es in der Natur vorkommt. Dies wiederum führt zur Veränderung der Biozönose, da bestimmt Algen unter den neuen Gegebenheiten nicht mehr so gut gedeihen können und von einer anderen Art abgelöst werden.
Diese Phänomene lassen sich im Schwarwasser-Aquarium unentwegt beobachten. Wann, welche Alge unter welchen Bedingungen, auftritt, sich ansiedelt, eine Symbiose eingeht, epiphytisch lebt oder eine Biozönose ausbildet ist bisher nicht erforscht worden.
Unweigerlich ist deshalb festzustellen, dass irgendeine Algenart sich immer in einem Schwarwasser-Aquarium ansiedeln wird. Wenn das ökologische Milieu nicht gestört ist, wird aber keine Algenart überhand nehmen und alles überwuchern. In erster Linie kann daher beobachtet werden, wie einzelne Algen bestimmte Nischen besiedeln, an denen andere Pflanzen nicht bestehen. Basibionten wie Wurzeln oder Hölzer erhalten erst durch einen Bewuchs mit Algen ihr typisches, natürliches Erscheinungsbild.
 
Moosalge
Aegagropila linnaei
Eine Algenart sollte aber in keinem Aquarium fehlen, denn sie bietet einerseitz dem Aquarianer sehr gute Gestaltungsmöglichkeiten, und andererseits den scheuen, nachtaktiven Tieren einen Unterschlupf der ihnen ganz besonders gut behagt. Es handelt sich dabei um die Moosalge (Aegagropila linnaei), die im Handel meist als Moosalgenkugel, auch Marimo genannt, erhältlich ist.
In der Natur kommt diese Algenart in drei Wuchsformen vor: Die epiphytische Wuchsform bedeckt schichtförmig die Schattenseite von Felsen. Unter Wasser bedeckt sie meisst in kleinen Büscheln, aus frei flutenden, unverbundenen Fäden, teppichartig den Gewässergrund. Seltener ist die Ballform, bei der die Algen zu Kugeln von erheblicher Größe, strahlenförmig in dicht bepackten Algenfäden ohne Zentrum nach außen wachsen. Diese besondere Wuchsform findet auf natürliche Weise aber nur in einigen Seen der Nordhalbkugel statt.
Diese total anspruchslose Grünalge braucht keine Pflege und kann in ihrer üblichen teppichartigen Wuchsform im Schatten am Boden eines Schwarzwasser-Aquariums unter Pflanzen existieren. Deshalb eignet sie sich gut dafür weite Bereiche des Bodens und / oder auch die Aufbauten der Tierverstecke zu bedecken. Weil Algen auch das Wasser entgiften, indem sich in den feinen Algenhärchen auch Bakterien ansiedeln, fühlen sich die Tiere unter ihnen ganz besonders wohl. Neben anderen Tieren nutzen insbesondere Garnelen und Chichliden die Moosalge gerne als Weide, Gründlinge als Aussichtsplattform.
Größere Marimo, manchmal innen hohl, können halbiert gut und leicht über Steine und Hölzer gezogen werde und so zum beschwingten Algenteppich arrangiert werden. Welse nutzen die zwischen den Steinen und Aufbauten entstandenen Höhlenverstecke als Laichplätze.
Die Moosalge wächst blos extrem langsam, d.h. 3-4 mm jährlich, dafür aber unaufhörlich wenn darauf geachtet wird, dass der pH-Wert im Schwarzwasser-Aquarium nicht unter 6,0 und der KH-Wert nicht unter 4 fällt.