Die Ästhetische Gestaltung

eines Schwarzwasser-Fluss-Biotop-Aquariums
Natürlich können alle erforderlichen Gegenstände, Einrichtungen und Pflanzen einfach willkürlich miteinander kombiniert werden. Dies würde selbstverständlich auch den Vorkommnissen der Natur entsprechen. Pflanzen und Tiere würden sich ihren Raum erobern, und falls alle Hinweise zur artgerechten Haltung auch befolgt sind, gut und gesund entwickeln.
Wer mit seinem Schwarzwasser-Aquarium aber einen Akzent in seinem Wohnumfeld schaffen möchte kommt um eine gewisse ästhetische Gestaltung nicht herum. Deshalb ist es ratsam sich einmal den grundsätzlichen gestalterischen Möglichkeiten zu widmen und seine Gestaltung semiprofessionell zu planen. Während das Design eines Aquariums mit Unterschrank und optischer Ausführung individuell in das Wohnumfeld zu integrieren ist, folgt die Gestaltung innerhalb eines artgerechten Biotop-Aquariums den Schwarzwasser-Gegebenheiten Kameruns.
Um einen charkteristischen Natureindruck des Tiefland-Regenwaldes abbilden zu können kann eine reale Gegebenheit aber nicht einfach eins zu eins umgesetzt werden. Es ist vielmehr nötig eine charakteristische Entsprechung zu finden, die das Kunstgebilde Aquarium, wie ein Gemälde, bzw. Skulptur als natürliches Biotop erscheinen läßt und gleichzeitig technische Einrichtung und Lebensraum miteinander vereint. Hierzu sind zahlreiche Anregungen sowohl in unterschiedlichen Aquarientypen als auch in der Kunstwelt zu finden.
Der wichtigste Gestaltungsgrundsatz für ein gutes Design ist die Regel: "forms follow function" (Die Form folgt der Funktion). Demnach ist die Gestaltung kein Selbstzweck für den Aquarianer, sondern das Design eine Formvollendung nach den Bedürfnissen der Tiere, Pflanzen und technischen Notwendigkeiten. Um dieses Ziel erreichen zu können ist es dringend angeraten eine genaue Planung der Absichten vorzunehmen und diese in Skizzen für sich zu Papier zu bringen. Ähnlich einem Einkaufszettel sind diese Skizzen Gedankenstützen, aber auch ein Kontrollinstrument sich sein Vorhaben immer wieder vor Augen führen zu können. Ideal ist es diese Skizzen im Verhältnis zu den ungefähren Ausmaßen und Proportionen im Maßstab anzufertigen.
Wichtig ist es hierbei sich als erstes darüber klar zu werden, welche Art der Ufervegetation einmal errichtet werden soll: vier grundsätze Gestaltungstypen stehen zur Auswahl:
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Naturaquarien, obwohl der Names dies vermuten läßt, orientieren sich in erster Linie nicht an den Bedürfnissen von Tieren und Pflanzen, sondern dienen dem Erbauer und Betrachter als Meditationshilfe und sind Verkörperung einer religiösen; genauer gesagt: zen-buddhistischen Weltanschauung. Es ist eine Kunstform, die als reine aquatische Analogie den Idealen der japanischen Gartenbaukunst entspricht. Die große Inovation von Takashi Amano besteht darin, dass er praktisch das japanische Gartenbauprinzip des Steingatrens "Kare-san-shi" umgekehrt hat. Während der Trockenlandschaftsgarten aus Kies, Steinen und Felsbrocken, sowie Moosen besteht und auf Wasser gänzlich verzichtet, hat er als erster Aquarien der Zen-Praxis geöffnet. Ein Aqaurium als Miniaturform das zur Meditation verleitet und bei der die Gedanken zur Ruhe kommen, wenn das Erleben von Stille und Leere (Shunyata) möglich wird.
Zur Erschaffung eines Biotop-Aquariums kann aus den Prinzipien der japanischen Gartengestaltung die Erkenntnis entlehnt werden, dass Steine in ungerader Zahl, zu meist von 5 oder 7 Exemplaren ideale Ordnungen darstellen. Hierbei rückt man die Steine so lange zueinander, bis ein natürlich erscheinendes Gefüge kongruent zu einem typischen Fliesgewässer erscheint und ein koheränter Gesamteindruck entsteht.
Ziel ist es in praktisch meditativer Versunkenheit die Steine so zu ordnen, als ob diese einen natürlichen Ursprung im Untergrund hätten. Zur optischen Kontrolle wird immer wieder die Ansicht aus der bevorzugten Sitzposition vor dem Aquarium eingenommen. Ist ein Blick aus mehreren Sitzposiotionen, z.B. von Vorne und von der Seite aus möglich, wird die Ansicht aus diesen Perspektiven ebenfalls berücksichtigt. Hierbei gibt es aber keine klare Vorgaben oder Regeln. Vielmehr wird in einer Art Einfühlung eine Gruppierung von meist asymetrischer, dezentraler Ortdnung geschaffen. Dabei ist es erwünscht bei der Ansicht aus unterschiedlichen Perspektiven andersartige Eindrücke der selben Situation zu erschaffen.
Als nächster Schritt wird festgelegt, in welchem Bereich des Beckens das Bodensubstrat und in welchem Bereich Kies und Sand eingebracht werden. Hierbei ist auch darauf zu achten, dass ein unterschiedliches Höhenniveau der Aufschüttung erzielt wird, denn wenn zum Beispiel die Höhe der Aufschüttungen nach Hinten, zu den geschlossenen Scheiben hin abnimmt, wird eine höhere optische Tiefe des Aquariums erreicht.
Mit allen weiteren Einrichtungsgegenständen wird in der Folge in der gleicher Art und Weise verfahren um später beim vollständig eingerichteten Aquarium ein mannigfaltiges Erscheingungsbild vorzufinden. Auf diese Weise werden viele unterschiedliche Ansichten und Einsichten zu einer und der selben Örtlichkeit möglich. Im Ergebnis bietet sich diese dann als vielseitiges und fotogenes Anschauungsobjekt an.
Sollten Fische gepflegt werden, die aktiv im Substrat wühlen und regelrecht selbst Umbauten vornehmen, wie dies z.B. der Zebra-Zwergbuntbarsch tut, ist dieser vorwiegend sandige Bereich von der torfhaltigen Zone zu begrenzen. Als Begrenzungen eignen sich besonders gut wellenartige aus Ton geformte Stellagen, mit denen sich auch treppenartige Aufbauten für Pflanzen vornehmen lassen. Diese sind dann aber von Beginn an in die gestalterische Zuordnung der Steine mit einzubeziehen.
Sollten Pflanzen gepfllegt werden, die Ausläufer bilden, ist auch für diese eine entsprechende Begrenzung einzuplanen. Diese Begrenzung sollte aber nicht überschätzt werden, denn vermehrungsfreudige Pflanzen, wie der Tigerlotus zum Beispiel, werden immer ihren Weg zur Ausbreitung finden. Durch die Schaffung bewußter Wachstumsgrenzen läßt sich aber auch die Pflege solcher Pflanzen deutlich leichter praktizieren.
Das holländische Pflanzenaquarium ...